Wirtschaft & Weiterbildung

  • Wirtschaft & Weiterbildung, 06/97, Seite 30 bis 35 mit Interview Rechtsanwalt Lindow auf den Seiten 32, 33
  • Wirtschaft & Weiterbildung, 07/99, Seite 58,59 mit Interview einer der Partner auf Seite 59
  • Wirtschaft & Weiterbildung 11/12 2001, S. 22: “Metaplan mahnt Bildungsträger ab” (über ein Verfahren, das durch die Telekanzlei geführt wurde)

Interview mit Matthias Lindow

Gemeinsam mit dem Trainertreffen Deutschland arbeitet die Hamburger Kanzlei Lindow & Partner seit ungefähr einem Jahr an dem Konzept eines Schiedsgerichts für die Weiterbildungswirtschaft.

Wirtschaft & Weiterbildung sprach mit Rechtsanwalt Matthias Lindow über Hintergrund und Nutzen dieser Einrichtung.

Herr Lindow, warum muß es eine Schiedsstelle für die Weiterbildungsbranche geben?

Die Schiedsstelle soll Trainern und deren Kunden die Möglichkeit bieten, Konflikte und Streitigkeiten ohne Einschaltung staatlicher Gerichte beizulegen, zumal es so ist, daß die staatliche Gerichtsbarkeit regelmäßig nicht branchenkundig ist und es meist auch nicht schafft, einen Konflikt so zu lösen, daß Kundenbeziehungen trotz eines Konfliktes aufrechterhalten bleiben.

Wo liegt für Ihre Kanzlei der Vorteil einer derartigen Einrichtung?

Anwälte stehen beim Publikum leider oft im Verdacht, grundsätzlich nur aus Akquiseüberlegungen oder nach finanziellen Zielsetzungen zu handeln. Vor einem solchen Hintergrund ist das Unterfangen, ein Schiedsgericht einzurichten, unsinnig: ein Anwalt verdient um so mehr, je weiter ein Streit eskaliert. Ein ökonomischer Nutzen für unser Haus ist für uns daher nicht erkennbar. Auch Öffentlichkeitsarbeit kann auf anderem Weg wesentlich produktiver betrieben werden. Wir sehen es so, daß sich ein Anwalt auch außerhalb von Nutzen Kalkulationen engagieren sollte.

Was gab den Anstoß zur Idee einer Trainer Schiedsstelle?

Die Partner unserer Kanzlei sind seit fast zehn Jahren selbst auch als Trainer tätig. Zum anderen geht der Trend in der internationalen wie auch der deutschen Wirtschaft zunehmend zu Mechanismen einer Streitbeilegung, die die staatliche Gerichtsbarkeit zu vermeiden suchen. Vor diesem Hintergrund kamen wir gemeinsam mit dem Trainertreffen Deutschland auf den Gedanken, daß die Schiedsgerichtsbarkeit auch für den Weiterbildungsmarkt eine Hilfe sein würde.

Woher nehmen Sie die Kompetenz für Entscheidungen im Bereich der beruflichen Weiterbildung?

Ich denke, daß nach zehnjähriger Tätigkeit in diesem Bereich das betrifft Unternehmen aller Größenstufen, verschiedene Weiterbildungseinrichtungen und dergleichen die nötige Sachkunde vorhanden sein sollte. Wer dann im konkreten Fall als Schiedsrichter entscheidet ob das also die Partner unseres Hauses sein werden wird nach der Schiedsordnung zu ermitteln sein.

Ist das neue Schiedsgericht schon in Anspruch genommen worden?

Nein. Es befindet sich noch in der Gründungsphase.

Wann erwarten Sie den ersten Fall?

Damit ein Schiedsgericht beansprucht werden kann, ist zunächst erforderlich, daß die potentiellen Beteiligten an einem Konflikt dessen Lösung durch das Schiedsgericht vertraglich vereinbart haben. Zudem muß es dann auch tatsächlich zu einem Streit kommen. Wir rechnen mit einem Zeithorizont von mindestens einem Jahr nach Abschluß der Gründungsphase bis zum ersten Fall.

Wie soll sich die Schiedsstelle weiterentwickeln?

Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, daß sich diese auf eine breite Akzeptanz und Legitimation im Weiterbildungsbereich und besonderes bei den Verbänden stutzen kann. Sie ist daher auf eine bundesweite Betätigung ausgerichtet. Ziel soll es sein, die Verwaltung so minimal wie möglich zu halten und deshalb an einem Standort zu konzentrieren. Die Schiedsrichter selbst jedoch werden an dem Ort tätig, den die Beteiligten oder die Schiedsordnung festgelegt hat.

Welche Visionen haben Sie in bezug auf die Gerichtsbarkeit in der Weiterbildung?

Unser Ziel in ferner Zukunft ist eine Weiterbildungslandschaft, die Konflikte professionell und sanft austrägt.

Was meinen Sie mit »sanft«?

Ein Schiedsgericht kann eher den Versuch unternehmen, zwischen den Parteien des Konflikts moderierend zu vermitteln, als ein staatliches Gericht. Der einzelne Schiedsrichter weiß, daß Recht bekommen bisweilen hinter dem Interesse zurücktreten kann, die Kundenbeziehung harmonisch und zukunftsorientiert aufrechtzuerhalten.

Können Sie für »Ihre« Schiedsstelle Konkurrenzeinrichtungen entdecken?

Nach unserer Kenntnis, gibt es lediglich für den Bereich der Berufsausbildung eine außergerichtliche Schlichtung. Für andere Branchen existieren teilweise Schiedsstellen. Zudem bieten die IHK’s in einigen Bereichen Schiedsstellen an. Wir sehen dies nicht als Konkurrenz. Vielmehr halten wir eine Schiedsstelle für den Weiterbildungsbereich für eine sinnvolle Ergänzung der Rechtslandschaft.

Herr Lindow, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

  • Datum: 10. Oktober 2016